Segeln rund um Sardinien - Italien (Sept. 2009)
Törnbericht Sardinien
Von Porto Porticio nach Bonifacio
Sardinien und Segeln - eine herrliche Kombination aus eindrucksvoller Kulisse, Schönheit und Leidenschaft.
Sardinien bietet dem Segler sehr viel mit seinen wunderschönen Buchten, kristallklarem Wasser, netten italienischen Landsleuten und einem herausfordernden Segelrevier. Ein Revier welches unter widrigen Wetterbedingungen dem Segler einiges abverlangen kann und durchaus anspruchsvoll ist. Es sind immer wieder Untiefen in Bereichen vorhanden, wo man sie nicht erwarten würde und eine intensive Vorbereitung der Tagesetappen anhand der örtlichen Seekarten und entsprechendes sorgfältiges Navigieren sind Grundvorraussetzung für einen entspannten Törn. Belohnt wird man dann für wunderschöne Ankerplätze und Buchten, die oft nur mit dem Boot zu erreichen sind.
Wir haben uns während unseres einwöchigen Törns hauptsächlich an der Costa Smeralda, im Norden und Nordosten von Sardinien aufgehalten. Eines der schönsten Reviere Sardiniens.
Fotos zum Törn gibt es hier:
Wir starten in Porto Porticio nahe Olbia und segeln vorbei am Maddalena Archipel bis nach Bonifacio, bevor wir uns wieder auf dem Rückweg machen.
Anreisetechnisch liegt Porto Porticio sehr günstig, da die Marina relativ nah am Flughafen von Olbia liegt und man innerhalb weniger Minuten nach der Landung im Hafen sein kann. Unser Vercharterer - North Sardinia Sail - war sehr hilfsbereit, kompetent und das Boot, eine Sun Odyssey 45, war in einem ordentlichem Zustand.
Törnüberblick - (c) Google Earth
Tag 1: Von Porto Porticio nach Porto Cervo
Porto Porticio ist eine moderne Marina mit einigen kleinen Cafes und Einkaufsmöglichkeiten im Supermarkt. Wir starten bei leicht bewölktem Himmel und gutem Segelwind Richtung Norden. Unser Tagesziel ist Porto Cervo - ca. 15 sm von Porto Porticio entfernt.
Tag 1: Porto Porticio nach Porto Cervo (c) Google Earth
Porto Cervo ist einer der "Hotspots" des Jetsets im gesamten Mittelmeer und bietet exklusive Liegeplätze (mit Pollern und Festmacherringen aus Bronze!) für Yachten bis zu 70m Länge - natürlich zu entsprechenden Preisen.
Die Marina und die Ferienhäuser passen durch ihren sardisch/maurischen Baustil sehr schön in die mediterane Landschaft. Oft sind lediglich die Dächer zu sehen und die einzelnen Bereiche sind durch kleine Gassen und Treppen miteinander verbunden. Alles insgesamt sehr stimmig. Die Preise für Essen und Liegeplatz sind erwartungsgemäß sehr hoch.
Vor dem Einlaufen muss ein Liegeplatz über UKW Kanal 9 beantragt werden, ansonsten wird man gleich wieder von Motorbooten der Marina des Hafens verwiesen.
Im Sommer ist der Hafen oft überlaufen.
Tag 2: Von Porto Cervo nach Mucci Bianchi
Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Cala Mucci Bianchi, ca. 11 sm von Porto Cervo entfernt.
Zwischendurch machen wir einen Zwischenstop in Liscia di Vacca. Eine weite nach Nordwesten offene Bucht südlich von Isola Cappuccini. Das herrlich smaragdgrüne und kristallklare Wasser lädt zum Baden ein.
Tag 2: Porto Cervo nach Mucci Bianchi (c) Google Earth
Wir übernachten vor Anker in der wunderschönen Bucht Cala Mucci Bianchi, an der Einfahrt des Golfs di Arzachena. Es gibt Lebensmittelgeschäfte und einige Restaurants und Cafes. Am Strand und im kristallklarem Wasser tummeln sich zahlreiche Badegäste der Umgebung.
Achtung: In der Bucht sind zahlreiche Untiefen und entsprechend sorgfältig sollten die Seekarten vor dem Einlaufen studiert werden!
Tag 3: Von Mucci Bianchi nach Maddalena
Am frühen Morgen erwartet uns ein heraufziehendes Sturmtief. Noch während des Frühstücks müssen wir den Ankerplatz verlassen bevor wir zum Maddalena Archipel weitersegeln.
Im laufe des Tages frischt es immer mehr auf und am frühen Nachmittag macht uns ein Gewitter mit entsprechendes Sturmboen von knapp 40 Knoten Wind und starkem Regen zu schaffen. Wir entscheiden in den Hafen Cala Gavetta auf La Maddalena zu fahren bis sich das Wetter wieder bessert.
Cala Gavetta ist ein sehr netter Ort mit einer Vielzahl von Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Zudem ist der Liegeplatz recht preiswert. Allerdings ist der Hafen unruhig aufgrund der Vielzahl an ein- und auslaufenden Fähren.
Tag 3: Von Mucci Bianchi nach Cala Gavetta (c) Goolge Earth
Tag 4: Von Cala Gavetta nach Bonifacio
Am nächsten Tag geht es Richtung Korsika / Bonifacio. Die Fahrt über die Straße von Bonifacio geht in sehr flotter Fahrt aufgrund des immer noch frischen Windes und wir erreichen Bonifacio in knapp 2 Stunden am frühen Nachmittag.
Tag 4: Von Cala Gavetta nach Bonifacio (c) Google Earth
Bonifacio bietet von See kommend eine malerische Kulisse aus steilen, überhängenden Kreidefelsen, die von der Brandung teilweise unterspült und ausgehöhlt sind. Darüber thront die größte Zitadelle Korsikas. Durch einen 1 sm langen schluchtartigen Fjord gelangt man in den Hafen von Bonifacio.
Die Einfahrt durch den Fjord in den Hafen ist spektakulär und es wird schwer einen vergleichbar eindrucksvollen Hafen im Mittelmeerraum zu finden. Ein absolutes Muß für jeden Segler, der die Möglichkeit hat Bonifacio anzulaufen.
Dementsprechend voll und rege geht es dann auch im Hafen zu.
Ein Ausflug zur Altstadt mit ihren engen Gassen und Treppen und zur über dem Hafen thronenden Zitadelle ist unbedingt empfehlenswert. Man hat herrliche Ausblicke auf die Steilküste, dem Hafen und der Straße von Bonifacio.
Tag 5: Von Bonifacio zum Maddalena Archipel
Von Bonifacio geht es süd-östlich zurück nach Italien. Vorher haben wir noch einen Zwischenstop bei den französischen Insel in der Straße von Bonifacio eingelegt: Lavezzi ist ein Gewirr von rosafarbenen Felsen und ist umgeben von jeder Menge Klippen und Untiefen. Bei ruhiger See ein herrlicher Ort zum Verweilen, bei schwerem Wetter sollte man allerdings einen großen Bogen um die Inseln machen. Zu groß ist die Gefahr sich ein Loch ins Boot zu fahren.
Beim Einlaufen in die Ankerplätze bei Cala Lazavina und Cala di Ghiuncu sollte man aufgrund von Untiefen und überspülten Felsen besondere Vorsicht walten lassen.
Die Inselgruppe ist wild romantisch und die Umgebung sehr malerisch. Beim Inselausflug kann man immer wieder schöne Ausblicke auf die Inselgruppe geniessen.
Bei unserem Aufenthalt hat das Wetter innerhalb von wenigen Minuten schlagartig umgeschlagen und wir mussten die Inselgruppe aufgrund einsetzender Westwinde verlassen.
Tag 5: Von Bonifacio zum Maddalena Archipel (c) Google Earth
Wir segeln weiter zum Maddalena Archipel mit seinen drei Hauptinseln Razzoli, Santa Maria und Budelli. Aufgrund der starken Westwinde entscheiden wir an der Ostseite der Insel Budelli die Nacht zu verbringen. Es gibt gibt Festmacherbojen.
Das Maddalena Archipel bietet sehr schöne Strände und kristallklares Wasser - ideal zum schwimmen und schnorcheln.
Tip: Gerade bei stärkeren Winden ist es empfehlenswert noch eine zweite Festmacherleine zur Boje unter Wasser direkt an die Kette der Bojenverankerung auszubringen. Ich schlafe seitdem definitiv besser! Oft sind die Bojen lediglich mit Leinen an den Ketten verankert, die schon wochen- bzw. monatelang im Wasser vor sich in modern.
Tag 6: Vom Maddalena Archipel nach Porto Massimo
Mit achterlichen Winden um die 23 Knoten geht es raumschots zügig vom Maddalena Archipel nach Porto Massimo. Wir machen zuvor noch einen kurzen Zwischenstop auf der Insel Caprera, der östlichen Nachbarinsel von La Maddalena.
Wir ankern in Cala Coticcio. Zwei wunderschönen Buchten mit Sandstränden und der Möglichkeit auf die umliegenden Felsen zu klettern.
Die benachbarte Bucht Cala Brigantino ist mit seinem Sandstrand auch sehr hübsch, bietet allerdings nur wenigen Yachten ausreichend Platz.
Tag 6: Vom Maddalena Archipel nach Porto Massimo (c) Google Earth
Nachmittags geht es dann von Cala Coticcio nach Porto Massimo, einem kleinem Privathafen am Fuße einer hübschen Feriensiedlung. Der Hafen ist sehr gut ausgestatted und bietet die üblichen Serviceleistungen wie Strom, Wasser, Müllentsorgung und die Möglichkeit in einem kleinem Laden Proviant einzukaufen.
Das Restaurant in der Feriensiedlung können wir nicht wirklich empfehlen. Das Preisleistungsverhältnis ist einfach zu schlecht.
Tag 7: Von Porto Massimo nach Porto Rotondo
Auf unserer letzten Etappe geht es von Porto Massimo nach Porto Rotondo.
Porto Rotondo ist einer der schönsten Yachtmarinas an der Costa Smeralda und bietet die üblichen Yachtservices. Es gibt Restaurants, Cafes und es lohnt sich durch die im venzianischen Baustil angelegte Marina zu schlendern.
Tag 7: Von Porto Massimo nach Porto Rotondo (c) Google Earth
Zusammenfassung
Was uns gut gefallen hat:
- Sehr schönes und herausforderndes Segelrevier
- Hervorragende Wasserqualität; Wassertemperatur im September ca. 24 Grad
- Wunderschöne Buchten und gut ausgestattete Marinas
- Vercharterer North Sardinia Sail
Was uns nicht gefallen hat:
- Recht teueres Segelrevier. Besonders in den Restaurants stimmt oft das Preisleistungsverhältnis nicht
Literaturempfehlungen:
- Törnführer Korsika, Sardinien und Elba, Klaus-Jürgen Röhring, Delius Klasing Verlag
Heisigs.org